"Wie gut hilft die Naturmedizin?" lautet der Titel der aktuellen Ausgabe des Magazins ZEIT Wissen. Der Schwerpunkt der Märzausgabe ist damit klar umrissen: es geht um Naturmedizin - im weiteren Sinne also um Naturheilkunde. Doch das allein wäre nur ein halbes Thema - es geht um Naturmedizin im Vergleich zur Schulmedizin - und um das Zusammenspiel beider Richtungen, die sogn. Integrative Medizin.
Ich finde es sehr gut, daß so ein großes Thema nun auch mal so ausführlich in einem so etablierten Magazin behandelt wird. Die Diskussion um die Zukunft unseres Gesundheitswesens ist spätestens seit Röslers Vorschlägen zur Einführung einer Kopfpauschale voll im Gange - warum dann nicht mal das ganze Thema beleuchten und nicht nur nach dem 'Wieviel', sondern auch nach dem 'Was' fragen.
Dabei finde ich es besonders interessant, wie sehr sich die zwei Heilansätze im Laufe der Zeit voneinander entfernt zu haben scheinen. Ruft man sich mal die Entstehung der sogn. Schulmedizin ins Gedächtnis, so wird schnell klar, das Eine wäre kaum ohne das Andere möglich. Die meisten Medikamente, auch wenn die Pillchen noch so bunt, die Produktnamen noch so technisch, sind doch ursprünglich mal aus aus pflanzlichen Heistoffen abgeleitet worden. Penicilin ist ein Pilz, auch wenn er heute industriell gezüchtet wird - und daß man mit verschiedenen Tees die unterschiedlichsten Körperfunktionen beeinflussen kan, dürfte auch nichts neues sein.
Nun will der Leitartikel des ZEIT Magazins aber zum Glück auch nicht einfach Altbekannten aufwärmen - stattdessen werden aktuelle Fakten aufgeführt, die Zeigen, wie denn der Stand der Dinge ist. Inzwischen gibt es den Begriff der 'Integrative Medizin', unter dem versucht wird, vorurteilsfrei einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Dies könnte gerade in Zeiten scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten auf der einen Seite, und explodierender Kosten auf der anderen einen zukunftsweisenden und vor allem patientenfreundlichen Ansatz darstellen.
ZEIT WISSEN Ausgabe 2/10
"Wie gut hilft die Naturmedizin?"
Das Inhaltsverzeichnis ist hier zu finden
`-> www.zeit.de/zeit-wissen/2010/02/Inhalt
Und für EUR 5,- kann man das Heft auch direkt bestellen:
`-> http://shop.zeit.de/product/3294-ZEIT-WISSEN-Ausgabe-2-10-Wie-gut-hilft-...
Ich war bisher ja ein Gegener der von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler vorgeschlagenen Gesundheitsreform - bzw. der Vorgeschlagenen Reform des Beitragssystems der Krankenkassen. Wie viele andere auch war ich 'pauschal' der Meinung, die von Rösler vorgeschlagene sogenannte 'Kopfpauschale' sei schlicht und einfach unfaßbar unsozial. Das leuchtet ja auf den ersten Blick auch ein: wenn plötzlich der Vorstandsvorsitzende und die Putzfrau denselben Beitrag zahlen sollen, dass muß das doch unsozial sein.
Bei näherem Hinsehen erscheinen mir Röslers Vorschläge dann aber auf einmal doch nicht mehr so sozial unverträglich, wie zunächst angenommen. Mehr noch: die 'Kopfpauschale' scheint der von mir favorisierten Lösung, einer staatlichen aus Steuern finanzierten Versicherung alle, ziemlich nahe zu kommen.
Was will Rösler mit seiner Kopfpauschale wirklich? Beim Verständnis über die Hintergründe und Zusammenhänge half mir ein Beitrag auf Spiegel Online - der Link ist am Ende dieses Eintrags zu finden... Hier will ich nur kurz darstellen, welche Schlüsse ich ziehe:
Aus den pauschalen Kopfbeiträgen allein kann das Gesundheitssystem natürlich nicht finanziert werden. Wer das meint, liegt falsch. Außerdem wäre eine solche Finanzierung wahrhaft unsozial. Stattdessen sieht Röslers Vorschlag vor, das nötige Kleingeld über die Einkommensteuer aufzubringen. Und dies wäre bei näherer Betrachtung sogar sozial ausgewogener, fairer und gerechter als das aktuelle Modell, das mit seiner Beitragsobergrenze ja gerade verhindert, daß Spitzenverdiener auch Spitzenbeiträge zahlen. Im Prinzip erinnert die von Rösler vorgeschlagene Kopfpauschale also eigentlich schon fast an das 'Skandinavische Modell' - bei dem das Gesundheitswesen ebenfalls vorwiegend aus Steuern finanziert wird. Beim Skandinavischen Modell werden über eine solche staatliche Finazierung allerdings auch Einnahmen aus den für unsere Verhältnisse zum Teil sehr hohen Tabak- und Alkoholsteuern mit einbezogen, was ich für sehr vorbildlich halte und was meiner Meinung nach einen noch weiteren sehr reizvollen Aspekt in die Deutsche Diskussion über die Finanzierung des Gesundheitssystems bringen könnte...
..und was meinst Du? Bitte hinterlasse doch einen Kommentar, oder starte Dein eigenes Thema im Forum!
hier der Link zu "Kommentar zur Kopfpauschale - Gerecht, gescheit, gesund":
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,679983,00.html
Erst hieß es, gesetzlich Krankenversicherte müssten keine Zusatzbeiträge befürchten. Schnell war klar, daß hinter dieser Entwarnung eigentlich eine Warnung steckte - die Unterfinanzierung des Gesundheitsfonds war längst absehbar. Eigentlich hätte es heißen müssen "gesetzlich Krankenversicherte müssen zum 01.Januar 2010 keine Zusatzbeiträge befürchten" - was soviel bedeutet wie "gesetzlich Krankenversicherte müssen nach dem 01.Januar 2010 Zusatzbeiträge befürchten". Diese Formulierung scheint nun auch zur offiziellen Linie zu werden - die Unterfinanzierung scheint 'akzeptiert', nun kann über die Höhe der Zusatzbeiträge diskutiert werden. Das war irgendwie wieder einmal absehbar.
Der Berliner Tagesspiegel geht in seiner heutigen Ausgabe noch einen Schritt weiter und stellt die These auf, der Gesundheitsfond sei bewußt unterfinanziert - eine Beitragserhöhung also beabsichtigt. Mit diesem Manöver sollen gesetzlich Krankenversicherte in die vermeintlich günstigen Privaten Krankenkassen getrieben werden. Eine bedenkliche Entwicklung, die sich aber zur Zeit auch in anderen Bereichen wie z.B. dem Schulwesen oder den Renten beobachten läßt. Den Bürgern wird erzählt, man könne sich das Sozialsystem nicht mehr leisten, und man sollte doch bitte privat vorsorgen. Fatal, da dies die finanzielle Situation der Gesetzlichen Krankenkassen nur verschlimmern würde.
Hier der Link zum Artikel im Tagesspiegel:
http://tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Zusatzbeitraege-Krankenkassen-...